Eine Drehbuchautorin mit Drehbuch an ihrem Marktstand ohne Interessent*innen

Du hast „Ende“ geschrieben – und jetzt?
Wie verkaufe ich mein Drehbuch?

Ein Drehbuch zu schreiben ist schwierig genug – es dann aber an eine Produktionsfirma zu verkaufen, stellt sich noch mal als ganz andere Herausforderung dar. Wir geben dir hier deshalb ein paar Tipps, wie du dein Drehbuch am besten verkaufst.

Was brauchst du? Wen musst du kennen? Welche technischen Dinge gibt es zu beachten?

Um dein Drehbuch zu verkaufen, stellen wir dir im Folgenden Möglichkeiten vor, wie du an die entscheidenden Kontakte kommst, wie du anschließend potentielle Interessent*innen ansprichst sowie weitere Voraussetzungen für einen Abschluss bzw. eine erfolgreiche Drehbuchautor*innen-Karriere schaffst.

Der richtige Einstieg – eine Frage des Vitamin B?

Denn egal um welchen Job es geht: Wenn du niemanden in der Branche kennst, kann es schwierig sein, überhaupt einen Einstieg zu finden.

Natürlich kannst du Namen von Firmen oder auch von Kontaktpersonen über das Internet heraussuchen. Das heißt aber noch nicht, dass diese Entscheider*innen auf die Nachricht eines*r Wildfremden dann auch reagieren.

Dein Ziel sollte also zuallererst sein, die richtigen Leute kennenzulernen, denen du deine Filmidee präsentieren kannst. Die Frage ist nur, wie? Einfach ist es nicht. Unmöglich aber auch nicht.

Es gibt verschiedene Wege:

Filmhochschule

Als Absolvent*in einer renommierte Filmhochschule ist der Weg verhältnismäßig einfach: Bereits während der Studienzeit wird dir Gelegenheit gegeben, viele Kontakte in die Branche zu knüpfen, denn die Kontaktaufnahme wird von der Hochschule unterstützt: Die Branche kommt an die Hochschule und du kannst dich der Branche präsentieren.

Das hat natürlich große Vorteile, ist aber nicht zwingend notwendig. Flo war nie auf einer Filmhochschule, sondern hat stattdessen mit einem Praktikum angefangen und so seinen Weg in die Filmbranche gefunden.

Praktikum

Unserer Meinung nach ist ein Praktikum, zum Beispiel bei einer Filmproduktionsfirma, einem Sender oder Streamer, sogar einer der besten Einstiege. Die Praktikumsstelle muss nicht zwingend etwas mit Drehbüchern zu tun haben. Es geht vielmehr darum, eine Chance zu bekommen, in die Branche hineinzuschnuppern.

Ein Praktikum ist dabei doppelt nützlich: Zum einen lernst du Leute kennen und machst dich selbst bekannt. Und zum anderen findest du heraus, worauf Firmen achten und wonach sie suchen. Wenn du zum Beispiel ein Praktikum in einer Produktionsfirma machst, bekommst du dort sicher mit, wo diese Firma neue Stoffe akquiriert und woher sie ihre Autor*innen nimmt. Auch in einem Verleih zu arbeiten, ist eine gute Idee, da dort viele Stoffe angeboten werden und du Zugang zu anderen Drehbüchern bekommst, die du dir ansehen kannst.

Ein Praktikum ist ein guter Schritt für die ersten Kontakte, denen du deine Stoffe vorstellen kannst. Und wenn du mit Interesse und Einsatz dabei bist, werden dein*e Arbeitgeber*in mit Sicherheit auch in deine Stoffe reinlesen.

Drehbuchförderung

Daneben gibt es in Deutschland noch einen speziellen Weg, der auch für frischgebackene Autoren und Autorinnen interessant sein kann, und zwar die Förderung.

Die meisten großen regionalen Förderungen bieten Drehbuchförderung an und für die kann man sich auch als Quereinsteiger*in bewerben. Manche Förderungen haben auch dezidierte Töpfe für die Nachwuchsförderung.

Mit einer Förderung bekommst du nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Aufmerksamkeit. Dein Name ist dann „schon mal gefallen“.

Wie du siehst, gibt es unterschiedliche Wege und Methoden für den Einstieg. Sie alle haben gemein, dass du jemanden finden solltest, der oder die an einer Stelle sitzt, an der er oder sie deine Arbeit liest und gegebenenfalls weiterreichen kann. Das ist das Grundprinzip, wie du deinen Stoff vermarktest.

Hast du deine Kontakte geknüpft? Dann stellt sich als nächstes die Frage, was du überhaupt verschicken willst und dein Drehbuch zu verkaufen. Kleiner Tipp vorweg: Es ist kein Drehbuch.

Willst du ein Drehbuch verkaufen, solltest du kein Drehbuch verschicken

Es mag vielleicht paradox klingen, aber niemand, der an neuen Drehbüchern interessiert ist, wird sich tatsächlich die Zeit nehmen, ein Drehbuch zu lesen. Ausnahmen sind hier enge Kontakte, Leute die dich beruflich oder privat sehr gut kennen und schätzen.

„Ja, hallo, ich bin Alex und hier ist mein Drehbuch.“

In Hollywood gibt es einen (seit Jahren schrumpfenden) „Spec-Markt“: Also einen Markt für Drehbücher, die Autoren*innen „on speculation“, also spekulativ selbst entwickelt haben und erst mit einem ausgereiften Buch an Produktionsfirmen und Studios treten.

In Deutschland existiert dieser Markt nicht. Normalerweise „pitcht“ man eine Story, die dann gemeinsam weiterentwickelt wird. Insofern nehmen sich die wenigsten Produktionsfirmen die Zeit ein komplettes Drehbuch zu lesen, ohne vorher schon einzuschätzen, ob die Story in ihren Augen verkaufsfähig ist. Dafür gibt es einfach zu viele Ideen da draußen. Und viel zu wenig Zeit …

Es ist deshalb grundsätzlich besser, ein kürzeres Format als das eines Drehbuchs zu wählen, um Deinen Film zu verkaufen. Welche Formen gibt es?

Neugierde wecken – Pitch und Treatment

In Deutschland schickst du normalerweise Pitches, Exposés oder Treatments an potentielle Partner*innen. Im Falle eines Pitches kondensierst du die Idee, die Welt und die Tonalität auf 1–3 Seiten. Ein Exposé ist schon etwas länger und enthält etwas mehr Plot, während du in einem Treatment bereits die gesamte Handlung des Films in (kurzer) Prosaform skizzierst.

Pitches, Exposés und Treatments sollen heiß machen auf den Stoff.

Robert hat eine Produktionsfirma, die im Internet gelistet ist, und er produziert auch. Dadurch bekommet er so um die zwei oder drei Kaltakquise-E-Mails pro Monat, nach dem Motto: „Mein Name ist soundso und ich habe eine tolle Filmidee“, gefolgt von einem laaaangen Text – den er nie liest.

Letztens blieber er allerdings an einer solchen E-Mail hängen, denn die Autorin hatte es schlau gemacht: Sie hatte einen Pitch geschrieben. In nur drei oder vier Zeilen hat sie ihren Stoff gepitcht. Dabei erklärte sie nicht den gesamten Inhalt, sondern nur die Prämisse. Der Rest wurde lediglich angedeutet oder versprochen. Dadurch hat sie tatsächlich Roberts Neugierde geweckt und er hat weitergelesen. Den Grundsatz, dass die Geschichte in einem Pitch nicht zu Ende erzählt werden sollte, hat sie sehr ernst genommen – und das hat bei Robert funktioniert.

Und wir selbst machen es auch nicht viel anders: Unsere Stoffideen pitchen wir mit kurzen, prägnanten Papieren – selbst, wenn wir von dem Projekt schon mehr entwickelt haben sollten.

Was brauchst du sonst noch und dein Drehbuch zu verkaufen?

Mit der Tür ins Haus zu fallen, indem Du versuchst, das komplette, szenisch ausgearbeitete Drehbuch zu verschicken, ist also definitiv nicht der Weg zum Erfolg. Pitch, Exposé und Treatment hingegen sind die zwei wichtigsten Dinge, die du vorbereiten solltest. Auch wenn du dich für eine Förderung bewirbst, erfolgt die Bewerbung normalerweise in Form eines Treatments.

Natürlich ist aber jede*r, der*die ein ehrliches Interesse an deinem Stoff hat, auch interessiert an deinem szenischen Schreiben. Wir legen es daher jedem*jeder ans Herz, ein paar Beispielszenen parat zu haben. Das ist nicht nur eine gute Schreibübung, sondern es zeigt auch, dass du in der Lage bist, deinen Prosatext in dramatische Szenen umzubauen und auszuarbeiten.

Solltest du tatsächlich bereits ein ganzes Drehbuch entwickelt haben – was wir in Ausnahmefällen bei Herzensprojekten auch heute noch machen – dann kannst du es bei Gefallen des Pitches jederzeit nachreichen!

Die dramatische Szene

Drehbuchschreiben ist eine Mischung aus Kunst und Handwerk, so wie auch z. B. Musik. Wer eine Melodie im Kopf hat, kann mit dieser Melodie nicht einfach hingehen und versuchen, sie zu verkaufen – erst braucht es das Instrument, das gelernt werden will, bzw. Notation um die Melodie festzuhalten.

So ist es auch beim Drehbuchschreiben: Die Idee allein reicht noch nicht aus, um sie verkaufen zu können. Die meisten Produzent*innen haben mehr als genug Ideen für wirklich gute Filme. Kaum jemand sagt, ihm oder ihr gehen die Ideen aus. Vielmehr suchen sie nach Leuten, die diese Ideen handwerklich und technisch umsetzen können und das auf eine passende, also zum Beispiel spannende, tragische oder lustige Art und Weise.

Was du also mitbringen solltest, ist eine originelle Umsetzung einer guten Idee. Das bedarf der Übung. Bei unseren Seminaren haben wir gemerkt, dass es den Lernenden am meisten bringt, wenn sie selber viel schreiben (müssen) – denn Schreiben lernt man am besten beim Schreiben.

Ausdauer und Geduld

Stell dir eine Geigenspielerin vor: Natürlich muss sie die Noten lesen lernen, wissen, wie sie die Finger bewegen muss und alle technischen Aspekte beherrschen. Sie muss aber auch üben, um besser zu werden. Am besten jeden Tag.

Das solltest du auch. Das tägliche Schreiben gibt dir auch die Gelegenheit, in dich hineinzuhören und zu erforschen, ob dir das Schreiben wirklich liegt und ob es dir Spaß macht.

Drehbuchschreiben ist zeitintensiv und verlangt jeden Tag nach dir, nicht nur, wenn dir gerade danach ist – insbesondere, wenn du es zu deinem Beruf machen willst. Nur mit Ausdauer und ständigem Dranbleiben wirst du auch den gewünschten Erfolg haben.

Kaum ein*e Drehbuchautor*in war direkt beim ersten Versuch erfolgreich, nur weil er oder sie es „mal ausprobiert“ hat.

In der Filmbranche ist normal, dass Kreative extrem viel Arbeit in etwas stecken und trotzdem zuerst zehn Misserfolge haben, bevor sich die viele Arbeit vielleicht auszahlt – und du dein Drehbuch verkaufen kannst. Du solltest das Schreiben also wirklich lieben – mit all seinen Höhen und Tiefen.

Fazit

Wenn dir das Drehbuchschreiben Freude bereitet, du vor guten Ideen regelrecht überquillst und kaum warten kannst, loszuschreiben, dann hoffen wir, dass wir dir mit diesem Artikel eine Idee vermitteln konnten, wie der nächste Schritt aussehen kann.

Finde einen Einstieg in die Branche und knüpfe die nötigen Kontakte. Dafür hast du verschiedene Möglichkeiten, die sich dir anbieten:

  • Praktikum
  • Filmhochschule
  • Drehbuchförderung

Bereite alles vor, was du dafür brauchst, um diesen gewonnenen Kontakten deine Idee schmackhaft zu machen. Das sind vor allem:

  • Pitch oder Exposé
  • Treatment
  • Beispielszenen

Lerne die technischen Finessen und das Handwerk, aber vergiss nicht zu schreiben, schreiben, schreiben.

Es ist normal, dass die ersten Versuche, deine Drehbücher zu verkaufen, nicht von Erfolg gekrönt sind. Wenn du Talent hast und die nötige Ausdauer stehen dir trotzdem die Türen offen: Gute Stoffe und Autor*innen werden gesucht!

Wenn du dich fragst, ob du ein Drehbuchagentur brauchst, dann hat Flo hier über Pro und Contra einer*s Agent*in geschrieben. Und wenn du erstmal ein Drehbuch brauchst, dann erfährst du hier von Robert und Flo wie du ein Drehbuch schreibst.

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Robert Krause & Florian Puchert
Robert Krause & Florian Puchert
Drehbuchautoren & Professoren. Gründer der Drehbuch-Schreibschule Club23.

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