Eine Drehbuchautorin mit Drehbuch an ihrem Marktstand ohne Interessent*innen

Du hast „Ende“ geschrieben – und jetzt?
Wie verkaufe ich mein Drehbuch? (2022)

Ein Drehbuch zu schreiben ist schwierig genug – es dann aber an eine Produktionsfirma zu verkaufen, stellt sich noch mal als ganz andere Herausforderung dar. Wir geben dir hier deshalb ein paar Tipps, wie du dein Drehbuch am besten verkaufst.

Was brauchst du? Wen musst du kennen? Welche technischen Dinge gibt es zu beachten?

Um dein Drehbuch zu verkaufen, stellen wir dir im Folgenden Möglichkeiten vor, wie du an die entscheidenden Kontakte kommst, wie du anschließend potentielle Interessent*innen ansprichst sowie weitere Voraussetzungen für einen Abschluss bzw. eine erfolgreiche Drehbuchautor*innen-Karriere schaffst.

Der richtige Einstieg – eine Frage des Vitamin B?

Denn egal um welchen Job es geht: Wenn du niemanden in der Branche kennst, kann es schwierig sein, überhaupt einen Einstieg zu finden.

Natürlich kannst du Namen von Firmen oder auch von Kontaktpersonen über das Internet heraussuchen. Das heißt aber noch nicht, dass diese Entscheider*innen auf die Nachricht eines*r Wildfremden dann auch reagieren.

Dein Ziel sollte also zuallererst sein, die richtigen Leute kennenzulernen, denen du deine Filmidee präsentieren kannst. Die Frage ist nur, wie? Einfach ist es nicht. Unmöglich aber auch nicht.

Es gibt verschiedene Wege:

Filmhochschule

Als Absolvent*in einer renommierte Filmhochschule ist der Weg verhältnismäßig einfach: Bereits während der Studienzeit wird dir Gelegenheit gegeben, viele Kontakte in die Branche zu knüpfen, denn die Kontaktaufnahme wird von der Hochschule unterstützt: Die Branche kommt an die Hochschule und du kannst dich der Branche präsentieren.

Das hat natürlich große Vorteile, ist aber nicht zwingend notwendig. Flo war nie auf einer Filmhochschule, sondern hat stattdessen mit einem Praktikum angefangen und so seinen Weg in die Filmbranche gefunden.

Praktikum

Unserer Meinung nach ist ein Praktikum, zum Beispiel bei einer Filmproduktionsfirma, einem Sender oder Streamer, sogar einer der besten Einstiege. Die Praktikumsstelle muss nicht zwingend etwas mit Drehbüchern zu tun haben. Es geht vielmehr darum, eine Chance zu bekommen, in die Branche hineinzuschnuppern.

Ein Praktikum ist dabei doppelt nützlich: Zum einen lernst du Leute kennen und machst dich selbst bekannt. Und zum anderen findest du heraus, worauf Firmen achten und wonach sie suchen. Wenn du zum Beispiel ein Praktikum in einer Produktionsfirma machst, bekommst du dort sicher mit, wo diese Firma neue Stoffe akquiriert und woher sie ihre Autor*innen nimmt. Auch in einem Verleih zu arbeiten, ist eine gute Idee, da dort viele Stoffe angeboten werden und du Zugang zu anderen Drehbüchern bekommst, die du dir ansehen kannst.

Ein Praktikum ist ein guter Schritt für die ersten Kontakte, denen du deine Stoffe vorstellen kannst. Und wenn du mit Interesse und Einsatz dabei bist, werden dein*e Arbeitgeber*in mit Sicherheit auch in deine Stoffe reinlesen.

Drehbuchförderung

Daneben gibt es in Deutschland noch einen speziellen Weg, der auch für frischgebackene Autoren und Autorinnen interessant sein kann, und zwar die Förderung.

Die meisten großen regionalen Förderungen bieten Drehbuchförderung an und für die kann man sich auch als Quereinsteiger*in bewerben. Manche Förderungen haben auch dezidierte Töpfe für die Nachwuchsförderung.

Mit einer Förderung bekommst du nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Aufmerksamkeit. Dein Name ist dann „schon mal gefallen“.

Wie du siehst, gibt es unterschiedliche Wege und Methoden für den Einstieg. Sie alle haben gemein, dass du jemanden finden solltest, der oder die an einer Stelle sitzt, an der er oder sie deine Arbeit liest und gegebenenfalls weiterreichen kann. Das ist das Grundprinzip, wie du deinen Stoff vermarktest.

Hast du deine Kontakte geknüpft? Dann stellt sich als nächstes die Frage, was du überhaupt verschicken willst und dein Drehbuch zu verkaufen. Kleiner Tipp vorweg: Es ist kein Drehbuch.

Willst du ein Drehbuch verkaufen, solltest du kein Drehbuch verschicken

Storyboard einer Entscheiderin, die am Schreibtisch voller Drehbuch-Stapel (auf und daneben) sitzt und mit einer Schreibtischlampe vor einem großen Bücherregal Skripte liest.

Es mag vielleicht paradox klingen, aber niemand, der an neuen Drehbüchern interessiert ist, wird sich tatsächlich die Zeit nehmen, ein Drehbuch zu lesen. Ausnahmen sind hier enge Kontakte, Leute die dich beruflich oder privat sehr gut kennen und schätzen.

„Ja, hallo, ich bin Alex und hier ist mein Drehbuch.“

In Hollywood gibt es einen (seit Jahren schrumpfenden) „Spec-Markt“: Also einen Markt für Drehbücher, die Autoren*innen „on speculation“, also spekulativ selbst entwickelt haben und erst mit einem ausgereiften Buch an Produktionsfirmen und Studios treten.

In Deutschland existiert dieser Markt nicht. Normalerweise „pitcht“ man eine Story, die dann gemeinsam weiterentwickelt wird. Insofern nehmen sich die wenigsten Produktionsfirmen die Zeit ein komplettes Drehbuch zu lesen, ohne vorher schon einzuschätzen, ob die Story in ihren Augen verkaufsfähig ist. Dafür gibt es einfach zu viele Ideen da draußen. Und viel zu wenig Zeit …

Es ist deshalb grundsätzlich besser, ein kürzeres Format als das eines Drehbuchs zu wählen, um Deinen Film zu verkaufen. Welche Formen gibt es?

Neugierde wecken – Pitch und Treatment

In Deutschland schickst du normalerweise Pitches, Exposés oder Treatments an potentielle Partner*innen. Im Falle eines Pitches kondensierst du die Idee, die Welt und die Tonalität auf 1–3 Seiten. Ein Exposé ist schon etwas länger und enthält etwas mehr Plot, während du in einem Treatment bereits die gesamte Handlung des Films in (kurzer) Prosaform skizzierst.

Pitches, Exposés und Treatments sollen heiß machen auf den Stoff.

Robert hat eine Produktionsfirma, die im Internet gelistet ist, und er produziert auch. Dadurch bekommet er so um die zwei oder drei Kaltakquise-E-Mails pro Monat, nach dem Motto: „Mein Name ist soundso und ich habe eine tolle Filmidee“, gefolgt von einem laaaangen Text – den er nie liest.

Letztens blieber er allerdings an einer solchen E-Mail hängen, denn die Autorin hatte es schlau gemacht: Sie hatte einen Pitch geschrieben. In nur drei oder vier Zeilen hat sie ihren Stoff gepitcht. Dabei erklärte sie nicht den gesamten Inhalt, sondern nur die Prämisse. Der Rest wurde lediglich angedeutet oder versprochen. Dadurch hat sie tatsächlich Roberts Neugierde geweckt und er hat weitergelesen. Den Grundsatz, dass die Geschichte in einem Pitch nicht zu Ende erzählt werden sollte, hat sie sehr ernst genommen – und das hat bei Robert funktioniert.

Und wir selbst machen es auch nicht viel anders: Unsere Stoffideen pitchen wir mit kurzen, prägnanten Papieren – selbst, wenn wir von dem Projekt schon mehr entwickelt haben sollten.

Die Reaktion: Interesse an deinem Drehbuch

Das ist ganz einfach: Wenn jemand an deinem Drehbuch interessiert ist, dann wollen sie mit dir sprechen oder dich treffen. Du hörst also per E-Mail von Ihnen, um einen Termin zu vereinbaren – oder die Produktionsfirma ruft dich direkt an. Da kann es gar keine Missverständnisse geben.

Wenn du nichts hörst, dann ist dies in 99 Prozent der Fälle eine Absage. Einmal würde ich durchaus nachfragen: Höflich per E-Mail, frühestens zwei Wochen nach Versenden des Stoffes, spätestens vier Wochen danach.
Wenn du dann nichts hörst: Absage. Oder du bekommst eine klare Absage. Dann gibt es auch keinen Spielraum für Interpretationen.

Wenn jemand an deinem Stoff interessiert ist, dann musst du herausfinden, was sie damit vorhaben. Wollen sie ihn optionieren? Weiterentwickeln? Oder direkt bei einem Sender/Streamer anbieten (dazu sollten sie ihn auch optionieren). Spätestens an diesem Punkt könnte eine Drehbuch-Agentur für dich interessant werden.

Was brauchst du sonst noch und dein Drehbuch zu verkaufen?

Mit der Tür ins Haus zu fallen, indem Du versuchst, das komplette, szenisch ausgearbeitete Drehbuch zu verschicken, ist also definitiv nicht der Weg zum Erfolg. Pitch, Exposé und Treatment hingegen sind die zwei wichtigsten Dinge, die du vorbereiten solltest. Auch wenn du dich für eine Förderung bewirbst, erfolgt die Bewerbung normalerweise in Form eines Treatments.

Natürlich ist aber jede*r, der*die ein ehrliches Interesse an deinem Stoff hat, auch interessiert an deinem szenischen Schreiben. Wir legen es daher jedem*jeder ans Herz, ein paar Beispielszenen parat zu haben. Das ist nicht nur eine gute Schreibübung, sondern es zeigt auch, dass du in der Lage bist, deinen Prosatext in dramatische Szenen umzubauen und auszuarbeiten.

Solltest du tatsächlich bereits ein ganzes Drehbuch entwickelt haben – was wir in Ausnahmefällen bei Herzensprojekten auch heute noch machen – dann kannst du es bei Gefallen des Pitches jederzeit nachreichen!

Die dramatische Szene

Drehbuchschreiben ist eine Mischung aus Kunst und Handwerk, so wie auch z. B. Musik. Wer eine Melodie im Kopf hat, kann mit dieser Melodie nicht einfach hingehen und versuchen, sie zu verkaufen – erst braucht es das Instrument, das gelernt werden will, bzw. Notation um die Melodie festzuhalten.

So ist es auch beim Drehbuchschreiben: Die Idee allein reicht noch nicht aus, um sie verkaufen zu können. Die meisten Produzent*innen haben mehr als genug Ideen für wirklich gute Filme. Kaum jemand sagt, ihm oder ihr gehen die Ideen aus. Vielmehr suchen sie nach Leuten, die diese Ideen handwerklich und technisch umsetzen können und das auf eine passende, also zum Beispiel spannende, tragische oder lustige Art und Weise.

Was du also mitbringen solltest, ist eine originelle Umsetzung einer guten Idee. Das bedarf der Übung. Bei unseren Seminaren haben wir gemerkt, dass es den Lernenden am meisten bringt, wenn sie selber viel schreiben (müssen) – denn Schreiben lernt man am besten beim Schreiben.

Ausdauer und Geduld

Stell dir eine Geigenspielerin vor: Natürlich muss sie die Noten lesen lernen, wissen, wie sie die Finger bewegen muss und alle technischen Aspekte beherrschen. Sie muss aber auch üben, um besser zu werden. Am besten jeden Tag.

Das solltest du auch. Das tägliche Schreiben gibt dir auch die Gelegenheit, in dich hineinzuhören und zu erforschen, ob dir das Schreiben wirklich liegt und ob es dir Spaß macht.

Drehbuchschreiben ist zeitintensiv und verlangt jeden Tag nach dir, nicht nur, wenn dir gerade danach ist – insbesondere, wenn du es zu deinem Beruf machen willst. Nur mit Ausdauer und ständigem Dranbleiben wirst du auch den gewünschten Erfolg haben.

Kaum ein*e Drehbuchautor*in war direkt beim ersten Versuch erfolgreich, nur weil er oder sie es „mal ausprobiert“ hat.

In der Filmbranche ist normal, dass Kreative extrem viel Arbeit in etwas stecken und trotzdem zuerst zehn Misserfolge haben, bevor sich die viele Arbeit vielleicht auszahlt – und du dein Drehbuch verkaufen kannst. Du solltest das Schreiben also wirklich lieben – mit all seinen Höhen und Tiefen.

Fazit

Wenn dir das Drehbuchschreiben Freude bereitet, du vor guten Ideen regelrecht überquillst und kaum warten kannst, loszuschreiben, dann hoffen wir, dass wir dir mit diesem Artikel eine Idee vermitteln konnten, wie der nächste Schritt aussehen kann.

Finde einen Einstieg in die Branche und knüpfe die nötigen Kontakte. Dafür hast du verschiedene Möglichkeiten, die sich dir anbieten:

  • Praktikum
  • Filmhochschule
  • Drehbuchförderung

Bereite alles vor, was du dafür brauchst, um diesen gewonnenen Kontakten deine Idee schmackhaft zu machen. Das sind vor allem:

  • Pitch oder Exposé
  • Treatment
  • Beispielszenen

Lerne die technischen Finessen und das Handwerk, aber vergiss nicht zu schreiben, schreiben, schreiben.

Es ist normal, dass die ersten Versuche, deine Drehbücher zu verkaufen, nicht von Erfolg gekrönt sind. Wenn du Talent hast und die nötige Ausdauer stehen dir trotzdem die Türen offen: Gute Stoffe und Autor*innen werden gesucht!

Wenn du dich fragst, ob du ein Drehbuchagentur brauchst, dann hat Flo hier über Pro und Contra einer*s Agent*in geschrieben. Und wenn du erstmal ein Drehbuch brauchst, dann erfährst du hier von Robert und Flo wie du ein Drehbuch schreibst.

FAQ zum Verkaufen eines Drehbuchs

Wie verkaufe ich meine Filmidee?

Wenn du in Deutschland nur die Idee für einen Film verkaufen willst, dann ist die Antwort ernüchternd: Niemand ist hierzulande bereit für die reine Grundidee zu einem Film- oder Serienstoff (viel) Geld zu bezahlen.
Das hat zwei Gründe:

1. Die reine Grundidee, also die Prämisse eines Stoffes, die du in zwei, drei Sätzen zusammenfassen kannst, ist meist noch gar nicht urheberrechtlich schützbar. Erst durch die Ausarbeitung dieser Idee, also die Ausgestaltung der Charaktere und einer erkennbaren Handlung generierst du ein Urheberrecht auf dein Werk – und das übrigens automatisch. Wenn du deine Stoff-Idee als kleinen Pitch auf ca. einer Seite aufschreibst und Figuren sowie Handlungsbögen zumindest skizzierst, bist du hier auf der sicheren Seite. Für ein solches, kurzes Pitchpapier wird in der Regel aber sehr, sehr wenig gezahlt. Wir reden hier für Anfänger*innen vielleicht von 500 Euro. Dafür trittst du dann aber alle Verwertungsrechte an die jeweilige Produktionsfirma ab. Der Verkauf einer Idee selbst, ist also – wenn sie überhaupt zu Stande kommt – nicht lukrativ.

2. Der Filmbranche mangelt es keinesfalls an Stoffideen. Produktionsfirmen suchen und finden andauernd neue Ideen für Stoffe – entweder, weil sie die Ideen selbst entwickeln oder weil Autor*innen sie ihnen pitchen. Also im Klartext: Keiner sucht verzweifelt nach Ideen. Wonach aber alle suchen: Fähige Autor*innen, die diese Ideen in einen kollaborativen Prozess in packende Filme und Serien umsetzen und im Idealfall bis zur
Drehreife entwickeln können.

Wenn du einen Stoff verkaufen und weiterentwickeln willst, den du schon weiter ausgearbeitet hast (Exposé, Treatment, Drehbuch), dann solltest du nach Kontakten in der Filmbranche suchen (über Kaltakquise oder noch besser über eine Connection) und deinen Stoff in knackiger, kurzer Form, als Pitch, Exposé oder Treatment präsentieren können.

Wo kann ich mein Drehbuch einreichen?

Ein Drehbuch zu „vermarkten“ ist für neue Autor*innen ohne Branchenerfahrung mit Sicherheit die größte Hürde. Es ist natürlich immer möglich Stoffe unaufgefordert an Produktionsfirmen zu schicken. Allerdings: Die Chance, dass dein Stoff überhaupt gelesen wird, ist schon sehr gering.

Wenn du diesen Weg dennoch gehen willst, dann recherchiere, ob die entsprechende Firma zu deinem Stoff überhaupt passt: Sprich, hat diese Firma schon ähnliche Stoffe (Genre) umgesetzt? Und frage vorher nach, ob die Firma überhaupt bereit ist, einen Stoff von dir zu lesen. Dann hast du dort zumindest schon einmal mit jemanden gesprochen und dich vorgestellt.

Besser ist sicher der Weg über „Connections“ und „Vitamin B“ – also du kennst wen, der*die jemanden kennt, der*die bei einer Produktionsfirma oder Sender arbeitet? Das garantiert zwar nicht unbedingt Erfolg. Aber es macht den Weg zum Überhaupt-Gelesen-Zu-Werden deutlich einfacher.

Wichtig: Bevor du deinen Stoff einschickst, hole dir ehrliches Feedback. Von Freund*innen, Familie oder besser: einem Lektoratsservice. Dann hast du zumindest Rückmeldung, wie sich dein Stoff liest, was daran verständlich ist und was vielleicht noch nicht. So kannst du noch entsprechende Änderungen vornehmen. Eine Filmproduktion wird einen Stoff, wenn sie ihn liest, immer nur einmal lesen. Da sollte der erste Eindruck am besten gleich passen.

Eine Recherche nach Stoff- und Drehbuchwettbewerben lohnt sich auch – obwohl es hiervon nur wenige in Deutschland gibt. Für Krimistoffe recht ergiebig: Das Krimifestival Tatort Eifel (tatort-eifel.de), bei dem auch immer Branchenpublikum anwesend ist.

Wie viel bekomme ich für ein Drehbuch?

Das kommt ganz darauf an. Wenn du dir z. B. die GVR-Vereinbarungen beim Verband der Drehbuchautor*innen (drehbuchautoren.de) mit einigen der Fernsehsender ansiehst, dann wirst du merken: Es ist ein komplexes Thema.

ARD und ZDF bieten z. B. Modelle, die anfangs weniger zahlen und dafür bei Wiederholungen noch einmal Geld ausschütten – oder aber (die üblichere) Komplettvergütung (Buy-Out), bei der bei einer Wiederholung kein weiteres Geld fließt.

Schon bei Letzteren gibt es Unterschiede. Das ZDF zahlt für das Drehbuch eines 90-Minüters 53.500 Euro brutto, die Degeto (ARD) 65.000 Euro netto (Stand September 2022). Autor*innen ohne Erfahrung bzw. ohne Credits bekommen bis zu 20 Prozent weniger.

Wenn das erstmal nach viel Geld klingt, dann bedenke, dass dies voll-budgetierte TV-Produktionen sind. Für Low-Budget-Produktionen aller Art wird es meist deutlich weniger Geld geben. Und auch bei den „großen“ Produktionen fließt die Gesammtsumme nur in kleinen Häppchen: 1/3 bis die Hälfte der Vergütung wird erst bei Drehbeginn bezahlt. Und das nur im Fall, dass der Film auch wirklich gedreht wird – viele Filme schaffen diese Hürde nicht.

Für eine Kino-Produktion ist die Situation wesentlich unübersichtlicher, da es hier keine Rahmenvereinbarungen gibt und diese aufwändigere Finanzierungen haben. Allerdings: Auch hier sind eher keine Hollywood-Spitzenhonorare zu erwarten.

Wie schütze ich meine Idee oder mein Drehbuch?

Wichtig: Wir sind keine Anwälte. Wir hantieren hier mit eigenen Erfahrungswerten.

Meines Stoff in einem Umschlag an mich selbst postalisch zu schicken und dann verschlossen zu lassen, habe ich noch nie in meinem Leben gemacht. Das hat aber auch damit zu tun, dass ich eine Agentur habe und denen die Stoffe mit derselben E-Mail zukommen lasse, wie der Produktionsfirma, an die ich mein Material schicke. Das halte ich für eine sehr gute Absicherung.

Aber auch ohne Agentur ist das Verschicken per E-Mail eine Nachweismöglichkeit: Einfach die versendete E-Mail aufbewahren, denn sie ist datiert und ein Beweis, dass du deinen Stoff an eine Produktionsfirma geschickt hast. „Haben wir aber nie bekommen“: Noch mehr hilft natürlich eine entsprechende Empfangsbestätigung der Produktionsfirma, dass E-Mail mit Anhang auch angekommen ist.

Aber nochmal: Wir sind keine Anwälte.

Wie verkaufe ich mein Drehbuch an Hollywood / Netflix / das ZDF?

Hier ist Realismus wichtig: Für eine Nachwuchsautor*in ohne Agentur und ohne Produktionsfirma im Rücken, die den Stoff an Sender anbietet, stehen die Chancen gar nicht gut den Stoff direkt zu verkaufen.

Denn normalerweise läuft das in Deutschland so: Die Sender stellen zwar Budgets und geben Produktionsaufträge. Sie produzieren aber nicht selbst. Das übernimmt eine Produktionsfirmaim Auftrag des Senders. Deshalb wenden sich die Sender mit Stoffideen und Gesuchen an die Produktionsfirmen oder umgekehrt die Produktionsfirmen an die Sender. Dass renommierte Autor*innen mit ihren Ideen direkt zu Sender gehen, geschieht auch, dann aber meistens, wenn sich die Parteien von einer vorherigen Zusammenarbeit kennen und/oder der*die Autor*in gerade richtig Wellen geschlagen hat und jeder mit ihm*ihr arbeiten will.
 
Netflix ist hier vielleicht noch eine Ausnahme, weil hier von Seiten des Streamers eine größere Offenheit für die Zusammenarbeit mit neuen Talenten besteht. Hier gäbe es auch die Möglichkeit direkt einen Stoff einzureichen. Aber die Realität ist auch hier: Die meisten Netflixproduktion entstehen auch auf dem herkömmlichen Weg – durch Produktionsfirmen, die Projekte pitchen.
 
Zum Thema Hollywood: Wenn da jemand einen guten Weg weiß, dann gerne bei mir melden … 😉 Aus Deutschland heraus ist das äußerst unwahrscheinlich.

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Robert Krause & Florian Puchert
Robert Krause & Florian Puchert
Drehbuchautoren & Professoren. Gründer der Drehbuch-Schreibschule Club23.
Storyboards von Benjamin Kniebe

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